Kollodiales Hartlöten


Auszug aus der Studienarbeit "Schmuck der Ägypter im Louvre" von Hubert Heldner



Beim kollodialen Hartlöten wird ein Flussmittel verwendet welches aus zermahlenem Kupferkarbonat (in Ägypten vorhanden in der Form von pulverisiertem Malachit, der auch zum Schminken der Augen verwendet wurde) und einem Bindemittel besteht, welches aus Pflanzensaft gewonnen wurde. Dieses Flussmittel dient gleichzeitig als Klebstoff und dient dazu Goldkörner oder Drähte an ihrem Platz zu befestigen.


Die Schweisstellen werden mit dem Flussmittel bestrichen und die Arbeit erhitzt man im holzkohlen Ofen. Mit Hilfe des Lötrohrs, werden die zu schweissenden Stellen auf die nötige Temperatur gebracht. Bei 100 °C verwandelt sich das Kupferkarbonat zu Kupferoxyd, bei 600 °C ist das Bindemittel völlig verkohlt und bei 850 °C vereinigt sich der Kohlenstoff mit dem Sauerstoff des Kupferoxydes und verdampf als Kohlendioxyd. Nur noch Spuren von Kupfer bleiben an den Goldteilen kleben.


Bei ungefähr 880 °C tritt ein eigenartiges Phänomen ein. Das mit Kupfer in Verbindung stehende Gold schmilzt und bildet eine geschweisste Naht, obwohl beide Gold (1063 °C) und Kupfer (1083 °C) einen viel höher liegenden Schmelzpunkt haben. Das Verfahren besass für die Handwerker des Altertums grosse Vorzüge. Es gab kein Aufstossen des Flussmittels und die Einzelteile des Schmuckstückes waren bereits durch das getrocknete Flussmittel zusammen geklebt, bevor man sie in den Ofen brachte. Die Arbeit konnte beliebige male erneut auf Temperatur gebracht werden, ohne dass man Gefahr lief Verbindungsnähte, die man vorher geschaffen hatte wieder zu lösen. Das Kupferkarbonat kann im Flussmittel wegfallen, wenn das zu verbindende Gold einen ausreichend hohen Kupferanteil aufweist. Das Verfahren ist speziell für Gelbgold oder Silber geeignet.


Mit der Erfindung des Lotes geriet das kollodiale Hartlöten, welches ein Schweissverfahren ist, bald in Vergessenheit.


Das Löten verbindet die Einzelteile fest miteinander. Es besteht darin, dass die Teile gut angepasst werden und an den Verbindungsstellen blank sind. Meist ist ein Binden mit Eisendraht oder ein Befestigen mit Eisenklammern nötig, damit während des Lötens nichts verrutscht. Dann werden die Lotstellen mit Boraxlösung bestrichen, um das Oxydieren zu verhindern und das Fliessen des Lotes zu ermöglichen. Dieses besteht bei Silber und Gold aus dem gleichen Metall wie das Werkstück, ist aber legiert mit Cadmium, oder einem andern Legierungsmetall welches den Schmelzpunkt geringfügig senkt. Hieraus ist ersichtlich dass das Löten im Feuer geschieht, indem die Flamme mit Hilfe des Lötrohrs auf die zu lötende Stelle geblasen wird.



Literatur hinweise:

  • Das Grabdenkmal des Königs Sahu-re / Brochardt C. / Leipzig 1913

  • Excavations at Tell el-Amarna / 1913-14 Annual Report Smithsonian Institute Washington 1916

  • The Treasure / Brunton G. Lahun I / London 1920

  • H.A.P. Littledale

Hubert Heldner 1984




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